Im Land der dunklen Geister….

Welcome to Papua-Neuguinea!

West-Neuguinea, Provinz Papua, Baliem Tal

Gleich vorweg: Kein Ziel um mal ein wenig Urlaub zu machen.

Von Sulawesi bin ich nach Jayapura geflogen um von dort mit einer kleinen Propeller Maschine ins Innere zu fliegen: nach Wamena. Der Startpunkt für Expeditionen zu verschiedenen ursprünglichen Stämmen.

Aus dem Flugzeug fotografiert…

2014 war die einzige Gesellschaft die Weiße transportiert hat Trigana Air. Die Tickets kann man nicht vorher kaufen und reservieren. Es gibt nur wenige Plätze und noch weniger Weiße. Ich war sozusagen die einzigste an diesem Vormittag.

Völlig übermüdet von meinem Nachtflug von Makkassar (und die Nacht davor im Bus von Zentralsulawesi) kam ich in Jayapura an. Ich bin also ohne die Gewissheit aber mit dem unbedingten Glauben daran weiterzukommen, hingeflogen. Um Punkt 6 Uhr machte der Schalter von Trigana auf und wurde gestürmt. Ich konnte nur gegen Aufpreis und vieler gut klingender  Geschichten die Dame am Schalter von meinem unbedingt dringenden Wunsch überzeugen nach Wamena zu müssen und mir ein Ticket zu verkaufen. Rückflug? Neeee, das konnte man gar nicht kaufen. Nur vor Ort. Da ahnte ich noch nicht das Rückflugtickets für Weiße nur auf dem Schwarzmarkt zu erwerben waren und welche Schwierigkeiten auf mich warteten wieder aus dem Busch rauszukommen. Von meinen Recherchen wusste ich das ich ein von der Polizei in Jayapura ausgestelltes Permit (Surat Jalan) brauchen würde um in Wamena mit damit ebenfalls bei der Polizeistation zu melden. Tja, die Polizei in Jayapura fand ich, aber die wollten mir kein Permit ausstellen. Angeblich hatten sich die Vorschrifen vor ein paar Monaten geändert. Jetzt hatte ich das Ticket und kein Permit. Da nicht rauszufinden war welche Vorschriften sich wie geändert hatten, beschloss ich einfach ohne zu fliegen. An Mut mangelt es mir irgendwie nie. Als ich in Wamena ankam (es durften sogar Hühner und Ziegen mit in die Kabine), war ich froh das die Maschine mit der 1,5 km langen Bahn überhaupt hinkam. Flughafengebäude gab es nicht wirklich, das Gepäck und die Tiere wurden von vielen Menschen unter ein Wellblechdach gezerrt. Wo auch schon ein halber Stamm wartete, auf Besucher oder Mitbringsel aus der Zivilisation. Man muss dazu wissen, daß Wamena total abgeschnitten ist. Alles was es dort gibt, einschließlich das Wasser in Plastikflaschen muss eingeflogen werden. Und das ist teuer. Und rar. Wamena ist die letzte Station vor der Wildnis Papuas, wo noch heute zahlreiche Stämme ursprünglich leben. Das Baliem Tal wurde erst um 1940 überhaupt entdeckt. Noch heute versuchen viele Missionare dort die Menschen zu einem friedlichen Miteinander zu bewegen, ärztliche Behandlung anzubieten und Schulbesuche zu ermöglichen. Bis vor ca zwei Jahrzehnten aßen die verschiedenen Stämme noch Menschenfleisch. (Mir fehlten 10 cm von meinen Haaren hinterher, die abgegessen waren) Dies ist heute offiziell verboten, aber wer weiß schon wie tief Traditionen verwurzelt sind. Der Glaube, wenn man den Feind isst, das die Kraft auf einen übergeht, ist seit vielen Jahrhunderten tief in den Menschen drin. Und der Hunger ebenfalls. Denn es gibt dort nichts. Wirklich gar nichts. Diese Menschen dort lernen erst durch die Missionare heute, was es heißt Ackerbau zu betreiben und somit ein Polster anzulegen um Essen verteilt über das Jahr zu haben. Das wird dort nicht gut angenommen und die Menschen können nur schlecht damit umgehen. Es gibt einen großen Markt in Wamena mit so unerschwinglich teuren Dingen, das ich mir nicht mal Obst gekauft habe. Die Eingeborenen können dort gar nichts kaufen, nur in kleinen Mengen evtl. tauschen.

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Nun kann man auch verstehen, warum ein Permit so wichtig ist…Es ist so etwas wie die Lebensversicherung. Also in Wamena angekommen war mir sofort klar das ich einen Guide zahlen muss, der mit seinem Leben für mich bei dem Police-Officer bürgt. Ich suchte mir also einen bekleideten! und englischsprechenden jungen Mann (John) heraus und ging als erstes zur Police-Station. Dort war aber kein Strom oder kein Kopierer oder alles nicht und auch nicht die richtigen Leute um Stempel irgendwo draufzumachen oder Permits auszutellen. Johns Personalien wurden hinterlegt und ich ließ ein Passfoto von mir da. Anders war es gar nicht möglich. Es gibt verschiedene kleine Hotels dort, eins im Norden und eins im Süden und am Airport auch noch eins. Ich schaute mir das im Norden an und entschied mich für den Süden um den Tag drauf doch lieber ins Airport Hotel zu ziehen. Wo dann fette Ratten nachts in meinem Zimmer rumwühlten und an jeder Tür, jedem Fenster und jeder Wand riesengroße HIV Aufkleber waren. Besser als Nord und Süd immer noch, fand ich.

Nachdem ich mit John seinen Tagessatz (den er übrigens umgehend in Betelnüsse umgesetzt hat) ausgehandelt hatte (viel zu verhandeln hatte ich ja nicht, da ich eh auf ihn angewiesen war, aber John verhandelte ziemlich gerne, nur um zu verhandeln), kauften wir noch Gastgeschenke ein. Ich nahm außerdem noch Seifen und Zahnbürsten mit. Dann zogen wir los. Zu Fuß natürlich. Wunderschönes Papua. Die Landschaft ist wirklich traumhaft. Ich kann mir gut vorstellen noch einmal wiederzukommen und längere Trekkingtouren zu machen. Dann aber mit männlicher Begleitung, denn John wollte mich nach nur einem halben Tag gleich in seinen Stamm als Drittfrau aufnehmen. Auch das Argument das ich doch schon so alt sei, ließ er nicht gelten. Als ich ihm dann begreiflich machte das ich ja auch nichts arbeiten konnte aber ständig Hunger haben würde, wurde er nachdenklich…ein Esser mehr, der nichts kann…hmm das Thema war dann erledigt. Aber für Touren weiter in den Busch doch lieber bitte dann eine Begleitung…

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Wir haben verschiedene Dörfer besucht. Bei einigen waren wir willkommen, bei anderen nicht. Ich musste draussen warten bis John den Tabak an den Häuptling verteilt hatte und durfte dann über das Holzgerüst in das Dorf. Die Menschen sind nicht freundlich und auch nicht erfreut über Besuch. Allenfalls werden Fremde geduldet. Mehr nicht. Fotografieren kostet extra und sie haben Angst vor der Kamera. In ein Dorf sind wir gekommen (in der Nähe von Jiwika), dort konnte man in einer Rundhütte auf Stroh übernachten und war willkommen. Überall sind Kirchen von den Missionaren zu sehen. Sie stehen nicht weit von den Aussichtstürmen, wovon nach Feinden Ausschau gehalten wird. Die Dörfer sind jeweils mit Holzzäunen eingegrenzt. Es gibt ein Männerhaus, Frauenhäuser und ein langes Kochhaus. Dort hat jede Frau des Häuptlings ihre eigene Kochstelle, sie kochen also nicht gemeinsam. Die Männer leben nicht immer mit Frauen und Kindern gemeinsam.

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Das wichtigste im Leben des Mannes ist das Schwein. Und danach die Frau. Ohne Schwein keine Frau. Deswegen werden auch heute noch Frauen einfach bei Nachbarstämmen geraubt. Es ist nämlich so, dass ein Mann erst 5 Schweine haben muss um sich eine Frau kaufen zu können. Und Schweine sind schweineteuer. Also geht der Traum für die Meisten nicht in Erfüllung. Und wenn man dann eine Frau hat, passt man eben gut drauf auf. Denn der Nachbar lauert schon…

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Bei den Dani ist es Brauch bei den Frauen, sich bei jedem Todesfall in der Familie ein Fingerendglied abzuschneiden. Man sieht viele ältere Frauen die nur noch Stümpfe am Handballen haben. Mal besser, mal schlechter verheilt, je nach Schärfe des Werkzeugs das gerade zur Verfügung war.

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Das Dorf hat für mich die Mumie herausgeholt

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Das sind Ameisennester: Aufgekocht soll der Sud gegen Krebs helfen

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Ein Kasuar

 

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Die Sterblichkeitsrate ist hoch dort, ich habe nicht mal in Indien soviel von Parasiten befallene, unterernährte Kinder gesehen wie hier. Dicke eitrige Beulen am Körper und fliegenbesetze Augenwinkel, Körper so ausgemergelt und mit aufgetriebenen Bäuchen, das ich mich fragte wie sie noch aufrecht stehen können. Ich habe keine Fotos machen können, aus Respekt. Mit 55 Jahren wird es Zeit zum Sterben dort. Wenn man es bis dahin schafft.

Trotz allem lässt mich die Fasziniation, welche das Land und seine Einwohner auf mich ausübten, bis heute nicht mehr los und ich würde sehr gerne nochmal länger dorthin um tiefer in den Busch vorzudringen. Wenn sich jemand findet, mit dem ich das zusammen machen kann, da ich mir auch heute noch kein Leben als Drittfrau bei John vorstellen kann 🙂

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