Elefanten – Hautnah

Schon lange war es ein Wunsch von mir, einmal auf einem Elefanten zu reiten (wackelt es so wie auf einem Kamel?), ihn anzufassen (wie ist die Haut?) und bei der Arbeit zuzuschauen (denkt er selbständig?). Einfach mal fühlen: was ist das für ein Tier? Kann man einen Bezug herstellen, gibt es sowas wie Blickkontakt? Ganz viele Dinge, die man nur im persönlichen Kontakt herausfinden kann 🙂

Ich habe es nie getan, aus Respekt vor den Tieren und der meistens schlechten Haltung, die aus der Geldmacherei mit dem Touristengeschäft entsteht. Also habe ich mir viele „Elefantencamps“ in den letzten Jahren angeschaut ohne jemals auch nur einen Elefanten anzufassen. Ich wollte nichts finanziell unterstützen, wo Tiere auf engem Raum zu Touristenzwecken gehalten werden und man einen Trampelpfad im Kreis laufen kann. Solche Camps gibt es viele, gerade auch in Thailand. Auf Koh Samui habe ich mal ein „Camp“ gesehen, wo ein paar Elefanten in der Nähe der Strasse angekettet waren und man Futter bei dem Eigentümer kaufen konnten um seine Elefanten zu füttern. Ungläubig und fassungslos bin ich damals weiter gefahren. In Indien habe ich Arbeits- und Tempelelefanten gesehen, die aber nicht gut behandelt wurden. Einmal war ich bei einer Waschung im Fluss dabei, als morgens der Tempelelefant von seinem Mahut gewaschen wurde und dieser pickte die ganze Zeit mit der Metallspitze seines Elefantenstocks auf dem Kopf des armen Tieres rum, es waren schon überall blutige Stellen und jedesmal blieb die Spitze des Metallhakens kurz im Fleisch stecken und machte ein dumpfes „plop“.

Im Norden Thailands fand ich nun ein Trainingscamp, wo man den Elefanten nah sein konnte aber nicht unbedingt drauf reiten muss. Man konnte sehen wie der Mahut mit ihnen umging, hat selber ein paar Befehle gelernt, durfte sie berühren, waschen und füttern. Ebenfalls konnte man sehen, wie die Elefanten Äste und Grünzeug von A nach B trugen.  Und man hat eine Menge über Elefanten gelernt. Die Option „reiten“ hatte ich mir noch offen gelassen, mich hätten die anderen Dinge schon glücklich gemacht.

DSC_0152

Zuerst habe ich die langen Zuckerrohrstangen mit der kleinen Machete in Stücke gehackt. Sie waren dann leider etwas zu lang, warum, das hat sich mir auch erst dann beim Füttern erschlossen…

DSC_0156

Dann ging es mit dem Futter zum Elefanten-Unterstand

DSC_0158

Die waren schon ganz aufgeregt….

940947_1132735016738645_7543195655106149838_n

Erste vorsichtige Kontaktaufnahme…Die Haut am Rüssel fühlt sich schön an, ganz anders wie am Rest des Körpers, wo sie teilweise unglaublich dick, hart und trocken ist, so das man den Elefanten am liebsten ständig eincremen würde 😉 Ich habe gelernt das Elefanten an der Stimme eines Menschen erkennen können ob er ihnen gefährlich werden kann. Als er seinen Rüssel immer ausstreckte, wollte er gar nicht an mir schnuppern zur Kontaktaufnahme (unweigerlich versucht man ja ein Tier an sich riechen zu lassen)  nein er wollte Futter… Ich hatte Angst vor den großen Füssen, aber in der ganzen Zeit wo ich da war, hat es keine Probleme gegeben. Elefanten bewegen sich auch total langsam, sozusagen in Zeitlupe. Das war ganz interessant als ich dann später in den See geritten bin und sich 3000 kg in Zeitlupe mit mir oben drauf auf die Seite gedreht haben….

12647030_1132735043405309_2616745018214640254_n

DSC_0161

Wow, das erste Mal ein Elefantenmaul von innen gesehen ;-), nun wusste ich warum meine gehackten Zuckerrohrstücke zu groß waren: Das Maul ist winzig. An der Seite sind große Mahlzähne und in der Mitte eine eine schwulstige Zunge, wo also soll das Zuckerrohrstück nur hin??

DSC_0162

Also wir haben uns dann arrangiert: er machte das Maul so weit auf wie es geht, damit ich das Zuckerrohr besser platzieren konnte. Ich musste nur die Hand rechtzeitig wieder rausziehen, denn die Kommunikation zwischen Öffnen und Schließen war bei uns noch nicht so zu durchschauen.

DSC_0166

Lieber nochmal genau nachschauen….;-) Hochinteressant so ein Elefantenmaul von innen…

DSC_0163

mal mit reinwerfen probieren….(fällt wieder raus)

DSC_0167

Ich hab`s dann auch mal von der Seite versucht…listig 🙂

DSC_0175

Babies…wie niedlich

DSC_0179

Elefanten verständigen sich übrigens über Infraschall untereinander. Etwas, das ich vorher gar nicht wusste.

Auf mich machten sie alle einen äußerst zufriedenen Eindruck. Kein Tier war unruhig oder „webte“ hin und her. Allerdings weiß man absolut nicht ob nun die Kontaktaufnahme positiv war oder nicht. Ein Hund freut sich oder geht weg, bei einer Katze kann man Abneigung und Zuneigung auch sehr gut erkennen…aber bei einem Elefanten? Die Augen sind winzig und schauen immer gleich. Vielleicht sind sie auch nicht so emotional und es ist ihnen egal, solange es was zu fressen gibt und auch sonst keine Änderungen eintreten….Ein Mahut bleib sein ganzes Leben bei „seinem“ Elefanten und wächst schon als Kind mit ihm auf. Elefanten werden in der Familientradition weitergegeben, sie werden zwischen 60 und 80 Jahre alt. Sie wiegen bis zu 4000 kg und fressen hunderte Kilos jeden Tag an Blättern, Stengeln, Gräsern, Bananen etc. Sogar ganze Bananenstauden werden rausgerissen und komplett gegessen. Manchmal hauen sie nachts ab und fressen die Felder vom Nachbarn leer, reiben sich in den umliegend Wäldern an den Bäumen, so das diese absterben und ganz schwarz werden. Dann gibt es richtig Ärger. Ich dachte erst es hätte gebrannt, bis man mir erklärte das dies vom Rubbeln der Elefanten käme. 70 % des Tages sind sie nur mit Fressen beschäftigt. 250.000 Kalorien müssen reingeschaufelt werden.

Der Mahut mit seinem Elefanten….alles ganz friedlich….Nicht einmal hat er seinen Metallpickel gebraucht (den ganzen Tag übrigens nicht). Der Elefant gehorcht aufs Wort. Zwar jetzt nicht immer beim ersten Mal, aber dann…

Einige Kommandos hat mir der Mahut beigebracht und ich durfte sie ausprobieren (sie haben tatsächlich funktioniert) Bpai=Geh, Ya=Nein, Dii mak=gut, Phae ma=komm  Meistens hat man aber Bpai und Ya gebraucht im Gelände, weil er so gerne Stauden rausreißen wollte.

DSC_0186

Tja, und dann kam dann die Frage ob ich ins Gelände wollte…Ich kann nur sagen, das sieht von unten schon hoch aus, aber wenn man erstmal oben ist, hat man das Gefühl, es ist noch viel höher….

Zum Aufsteigen hebt der Elefant sein rechtes Vorderbein und knickt es ab, da muss man dann drauf steigen und dann Schwung holen und auf den Rücken klettern. Eine kleines Seil ist um den Elefanten drum gebunden, an dem man sich halten kann, natürlich kein Sattel und sonst auch nichts.

DSC_0187

Meinen Flip-Flop verloren beim Aufsteigen…ich war froh als ich oben war und mir kam auch sogleich der interessante Gedanke des Abstiegs in den Sinn…(oh da wusste ich ja noch nicht das ich im See landen würde) Eigentlich wollte ich auch gleich wieder runter, aber sie haben Mahut Junior mit draufgesetzt und das war dann lustig. Der konnte den Elefanten einwandfrei steuern.

Jedenfalls schwankt es nicht so oben drauf, wie auf einem Kamel. Es ist aber auch längst nicht so bequem wie auf einem Kamel. Die Beine muss man die ganze Zeit anziehen, weil der Elefant auf Druck reagiert und da ich mich nicht auskannte, wollte ich das auch nicht riskieren, in welcher Weise welcher Druck was genau macht…Also Beine hoch. Die Haut oben ist total hart und nun wusste ich warum die Metallspitze von dem indischen Mahut immer „plop“ gemacht hat. Da der Rücken vom Elefant richtig breit ist und die gesamte Position gar nicht so bequem war (ich hatte mich völlig verkrampft), hatte ich 4 Tage lang danach Probleme zu laufen.

Als es ins Gelände ging, lernte ich recht schnell, das ich bevor es bergauf geht, weiter nach vorne rutschen muss, da ich sonst nach hinten abrutsche, das gleiche dann beim Berg runter gehen, den Schwerpunkt vorher nach hinten verlagern, haha es gibt ja außer dem dünnen Seil nichts zum halten. Einmal habe ich dann die Ohren genommen aber das fand er nicht so toll…

Übrigens ist an genau dem gleichen Tag (2.2.16), auf Koh Samui ein Tourist vor den Augen seiner Tochter zu Tode getrampelt worden. Der Elefant hatte ihn abgeworfen und dann auf ihm rumgetrampelt. Es war ein Bulle, der wohl Hormonprobleme hatte und einen schlechten Tag. So etwas geschieht scheinbar von Zeit zu Zeit. Grauenhaft. Also es ist keinesfalls ungefährlich und man sollte der Sache stets mit dem nötigen Respekt begegnen.

DSC_0189

Damit der Elefant was zu tun hatte, durfte er Gräser transportieren, was in der ersten Stunde noch ganz gut klappte, aber dann wurden es immer weniger 😉 und der Mahut ist hinterher gelaufen, hat alle eingesammelt und selber getragen…

Unterwegs auf einem Hügel haben wir eine Pause gemacht und der Elefant durfte eine ganze Bananenstaude samt Wurzeln verspeisen…hmm

DSC_0191

DSC_0199

DSC_0211

 

DSC_0204.JPG
wie man sieht ist nur noch ein einziger Grasstengel übrig von dem ganzen Gestrüpp was der Elefant anfangs mitgenommen hat 😉

So, da habe ich mich schon ein wenig eingewöhnt…aber immer noch beschäftige mich der Gedanke an den Abstieg…

Aber der kam dann überraschenderweise im See…Ich bin also mit dem Elefanten in den See geritten, klar der muss ja auch mal Durst haben und was trinken und Elefanten lieben ja Wasser…und dann dreht er sich um und lässt sich in Zeitlupentempo mit mir auf dem Rücken auf die Seite fallen…

DSC_0214

DSC_0215

Schwupps, im Wasser…das kam überraschend und ich musste erstmal schauen ob meine Beine noch dran waren. Ja, nichts war passiert :-), alles gut gegangen. Ob der Elefant nun vorsichtig war oder ob ich instinktiv meine Beine weggezogen hatte, kann ich gar nicht mehr sagen. Das Wasser war toll und der Elefant fühlte sich sichtlich wohl und erwartete seine Wellnessbehandlung mit der Schrubbelbürste.

12642980_1132734880071992_4359528947361021191_n

Wasserspaß für alle 🙂

DSC_0216

DSC_0217

Irgendwann hatte ich dann auch meinen Schuh im Wasser wiedergefunden. Beim drum herumgehen um den Elefanten bin ich ihm leider auf Füsse und Beine gestiegen (weil ich die ja im Wasser nicht sehen konnte), aber das hat ihn gar nicht irritiert.

DSC_0218

 

DSC_0219

DSC_0222

DSC_0230

DSC_0234

so ungefähr 8-10 Liter kann der Elefant mit seinem Rüssel an Wasser aufnehmen und versprühen…:-) das Kommando hierfür heißt: BongBong

Wackeliger, aber durchaus bequemer war es auf dem Kopf des Elefanten. Ich bin dann ohne Mahut wieder aus dem Wasser rausgeritten – Mahut Junior plantscht noch direkt vor dem Elefanten, wie man auf dem Foto sieht, auch ohne das ich den Elefanten gesteuert habe, ist er vorsichtig an dem Kind vorbei gegangen.

Das war ein wirklich schöner Tag und ein tolles Erlebnis.

DSC_0157

2 Kommentare zu “Elefanten – Hautnah”

  1. Oh so schön ! Die Bilder sagen mehr mehr als 1000 Worte ich finde es toll das du dir so viele Gedanken darüber machst und der Text ist so süß geschrieben 😀 habe mir richtig vorgestellt wie du am liebsten die Elefanten eincremen möchtest :)))

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s