Der Inle-See – Einbeinruderer und schwimmende Gärten

Das Leben am und im Inle-See (im Shan-Staat) ist so bunt und vielfältig, das man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt.

Dörfer, die auf Pfählen gebaut sind, schwimmende Gärten, Wasserstrassen, Manufakturen auf dem Wasser wo Boote in jahrelanger Arbeit hergestellt werden oder Cheroot-Zigarren geschickt per Hand gerollt, gewebte Schals aus den feinen Fasern der Lotuspflanze, Silber, das aus den Adern der Steine gewonnen wird….klingt märchenhaft, oder? Das und noch vieles mehr konnte ich alles am Inle-See erleben.

Wie immer, habe ich viele Fotos gemacht (und wie immer fiel mir die Auswahl sagenhaft schwer, weil hunderte weitere Bilder mindestens ebenso schön sind) um Augenblicke einzufangen und einen Eindruck vom Leben dort zu vermitteln. Ich habe nicht nur den See kreuz und quer abgefahren, sondern bin auch 2 Tage mit dem Rad über die kleinen Dörfer gefahren.

Was mir immer stets begegnete, waren die sehr freundlichen und hilfsbereiten Burmesen. Ich fühlte mich immer und überall willkommen und die wunderbar freundliche Atmosphäre kann man leider nicht durch Berichte fühlen; man muss sie selbst erlebt haben.

Anreise: Mit dem komfortabeln Bus von Bagan in 8 Stunden über einigermaßen erträgliche schlechte Strecken (so schlecht wie oft im Internet beschrieben, habe ich es nicht empfunden), es gibt Tagbusse und Nachtbusse

Kosten: 15 USD

Eintritt Inle-Region: 10 USD

1 Tag auf dem Boot: 15.000 Kyat

Fahrrad mieten: 1.500 Kyat

Tipp: warme Kleidung und extra Decke für Nachts (Januarmonat)

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Hauptstraße von Nyaung Shwe

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Oben das Zentrum mit der Brücke von wo die Bootstouren starten, Preise von 15.000 bis 25.000 Kyat, je nachdem was man alles sehen möchte.

 

Oben die Boote, dicht aneinander gereiht. Die Boote sind sehr schmal und flach. Das was so aussieht wie Holzkisten, sind die Stühle für die Gäste die dann hergerichtet werden. Es war morgens um 7 so arg kalt, das auch zwei Decken nicht reichten, um mich warm zu bekommen.

Da unser Boot Wasser einließ, konnte ich nur kurzzeitig entspannen, als ich endlich im Boot saß. Nach 15 Minuten versuchte mir der Guide etwas zu erklären und tippte hektisch auf seinem Handy rum. Dann folgte ein komplettes Wendemanöver und wir lagen längsseits am Ufer und warteten. Auf was? Bis dahin ahnte ich nicht, das das Einsteigen vorher nur die Vorübung zum jetzigen Manöver war. Denn jetzt legte ein weiteres Boot an unserer Längsseite an und nun bemerkte ich auch das Wasser in meinem Boot. Da war mir klar, das ich nun samt Gepäck und Spiegelreflexkamera raus mußte. Umsteigen auf dem Wasser. Wer einmal in einem Boot, welches nur auf dem Wasser statt im Wasser liegt und diese Länge hat gefahren ist, weiß wovon ich rede. Äußerst wackelig trifft es nur fast.

Aber dann ging es weiter und der See lag vor mir in all seiner Schönheit….den Fischern im Morgennebel, das Gebirge im Hintergrund, Häuser auf Stelzen und schwimmende Gärten.

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Wöchentlich im Wechsel findet ein großer Markt auf der einen oder anderen Uferseite statt. Der See ist vom Norden zum Süden 22 km lang, Ost-West ca. 10 km.

 

 

Zwischendurch gibt es immer mal wieder kleine Restaurants, mit Stühlen, die aussehen als wären sie aus dem Zwergenland…

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Oben auf dem Foto mein Guide für den Tag: 1,50 groß, 40 kg und höchstens 15 Jahre alt

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Diese Fischer schlagen auf das Wasser um die Fische in die ausgelegten Netze zu treiben

 

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Daher der Name Einbein-Ruderer: Die Fischer umschlingen mit einem Bein das Ruder um die Hände für Netze oder Reusen frei zu haben. So rudern sie mit dem Bein eine ganze Strecke und fischen dabei gleichzeitig.

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Oben sieht man die See-Bauern bei der Ernte, hier wird alles per Hand aus dem Boot heraus gemacht. Angepflanzt werden Blumenkohl, Tomaten und andere Gemüsesorten, die in schwimmenden Reihen angepflanzt sind. Der Grund besteht aus Sumpf, Erde und Wasserhyazinthen, dessen Gemisch eine fruchtbare Subtanz bilden und die vielen Bambuspfähle, die man auf denFotos sieht, dienen als Befestigung.

Unten auf dem Foto gut zu erkennen, das Toiletten-Außen-Häuschen. Modern und komfortabel vom Wohnbereich ausgelagert und mit Sichtschutz für das, was in den See geleitet wird. Längst nicht alle Häuser sind so fortschrittlich 😉

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In den knapp 20 Siedlungen auf dem See leben 70.000 Intha in Häusern auf Pfählen. Das ganze Leben findet auf und in dem See statt.

Mittags hielten wir bei einem Resturant, welches Sitzplätze mit schöner Aussicht zum Fluss hatte. In der Hoffnung, das der Reis lange in kochendem Wasser war, hab ich eine Portion davon gegessen und eine Cola aus der Dose getrunken. Das erschien mir relativ sicher und keimarm zu sein in Anbetracht des braun-eingefärbten Wassers um das Restaurant drumherum, siehe Fotos unten….

 

Dann habe ich eine Lotus-Weberei besichtigt. Ungefähr seit 50 Jahren stellen die Inthas aus den Stengeln der Lotuspflanze die Lotus-Seide her. Eine äußerst komplizierte und langwierige Angelegenheit. Das Endprodukt ist leider so teuer, das ich nichts kaufen konnte, ein Schal fängt bei 100 USD an.

Die Ernte muss bei oder nach der Regenzeit erfolgen, weil dann der Wasserstand am höchsten ist. Die Stengel werden nach der Ernte innerhalb von 24 Stunen verarbeitet. Sonst bricht die Seide. An nur einem einzigen Schal wird 10 Tage mit mehreren Personen in vielen Arbeitsschritten gearbeitet. Zuerst werden die Stengel in kleine Stücke geschnitten und es werden die Fasern jedes einzelnen Stengels mühsam abgepult und dann mit denen von 5 anderen Stengeln verzwirnt. Anschließend kann es aufgespult werden und muss aber dabei immer wieder feucht gehalten werden, damit es nicht bricht. Die einzelnen Arbeitsschritte sieht man an den Fotos sehr gut. Eine Arbeiterin verdient ca 30 USD im Monat. Für einen Meter Stoff braucht man 10.000 Stengel. Das Endprodukt ist äußerst fein und leicht und man hat Angst das es vom Anfassen kaputt geht. Früher wurden damit die Mönche bekleidet, heute gibt es Kleidung aus Lotus-Seide für diejenigen zu kaufen, die 7000 USD für eine Jacke hinlegen können. Soviel ich weiß, wird Lotus-Seide weltweit ausschließlich am Inle See von den Inthas produziert.

 

Und als ich dann dachte, das kann man nicht mehr toppen, habe ich danach die Silber-Manufaktur besucht. Verarbeitung von Silber hatte ich schon oft in anderen Ländern gesehen aber niemals die Gewinnung von Silber aus dem Gestein.

Hierzu wird der Stein mit der Silberader in eine Lösung längere Zeit gelegt und das Silber fällt in kleinen Bestandteilen aus. Dann wird es ausgesiebt und in kleinen Gefäßen im Ofen zu Klumpen geschmolzen.

 

Auch die Herstellung von Holzbooten ist langwierig. Ein gutes Boot braucht 2 Jahre bis zur Fertigstellung. Natürlich werden sie hier gleich vor Ort gebaut, mitten auf dem Inle-See

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Herstellung von Cheroot-Zigarren

Aus den Blättern und aus dem Holz des Cheroot Baumes werden mit weiteren Zutaten (Bananen, Palmzucker; Nüsse und noch Dinge, die geheim sind) die Cheroot-Zigarren hergestellt. Der Filter ist aus Maisblättern. Auf jedem runden Tablett befinden sich die gesamten Zutaten: Tabak, Kleber, der runde Stab zum Rollen, daneben die Blätter und Filter. Ein Mädchen rollt mindestens 1.000 Zigarren am Tag.

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Nach dem ich das Mittagessen aus dem braunen Fluss überlebt hatte, konnte mich eine Zigarre mit geheimen Zutaten auch nicht mehr abschrecken. Und ich muss sagen, sie war gar nicht so schlecht 😉

Natürlich ist auch mittten in dem See eine prachtvolle Pagode gebaut worden, die Phaung Daw U Pagode. Sie beherbert 25 Buddha-Figuren, die jedes Jahr bei einem Fest in der königlichen Barke von Dorf zu Dorf gefahren werden.

 

Die Padaung (im übersetzten Sinne: mit glänzendem Metall umwickelte Menschen) leben normalerweise weiter südlich im Shan-Staat in den Bergen.

Ethnisch zu den Karen gezählt, mussten sie vor vielen Jahren fliehen und sind heimatlos. Heute gibt es nur noch ungefähr 7.000 Padaung, die sich in Burma und im Norden Thailands verteilen. Zum größten Teil leben sie in Flüchtlingslagern. Sie sind vertrieben worden aus den Bergen, durch die Auseinandersetzungen zwischen Burmesen, Shan-Einwohnern und den Karen. Das Millitär will die Bergdörfer seit 50 Jahren vertreiben, die Karen dagegen einen eigenen Staat gründen. Genau das führte zur Auseinandersetzung, die bis heute anhält und weswegen man nicht ungehindert durch das ganze Land reisen kann. Die Kämpfe in den Grenzgebieten dauern bis heute an.

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Mit dem Anlegen der Ringe wird bereits im Kindesalter begonnen. Ich durfte die Ringe anfassen und sie sind wirklich schwer. Durch das Gewicht dehnt sich der Hals und es kommen im Laufe der Jahre immer mehr hinzu. Abnehmen kann man sie niemals mehr, weil die Muskulatur die gedehnten Halswirbel nicht hält. Auch an Armen und Beinen werden Ringe angelegt. Das ist eine alte Tradition und entsprach dem Schönheitsideal der Padaung. Heute bekommen nur noch wenige Kinder die Ringe und die älteren Frauen arbeiten in Touristendörfern am Webstuhl.

Hier unten auf dem Foto sieht man die Herstellung von Betelnuss-Päckchen.

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Der Samen wird aus der Areka Palme genommen und ist orange rot. Zusammen gemischt mit Löschkalk und Gewürzen wird er in die Blätter des Betelpfeffers eingewickelt und dann gekaut. Der Löschkalk bewirkt, das sich die Stoffe in den Samen zersetzen und die Blut-Hirnschranke schnell passieren können. Das ganze wirkt gegen Müdigkeit und gegen Hungergefühl. Besonders viele Fahrer konsummieren Betelnüsse um wach zu bleiben. Und natürlich diejenigen, bei denen das Geld nicht für mehrere Mahlzeiten am Tag reicht. Es sieht nicht nur unschön aus wenn es gekaut wird (weil es stark speichelanregend ist und die Menschen ständig roten Schaum spucken), sondern es zerstört die Zähne und die Mundhöhle. Die Verfärbungen gehen nie wieder weg. Die Zähne werden mit der Zeit zersetzt und faulen weg. Und es schaut wirklich gruselig aus, wenn ein starker Betelnuss-Konsument einen anlächelt.

Auch die Rückfahrt über den Inle-See nach Nyaung Shwe war wunderschön…

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Und weil es noch so viel zu entdecken gab, habe ich mir ein Fahrrad geliehen und bin über die Dörfer gefahren. Und das waren mal wirklich schlechte Straßen. Leider war mein Rad nicht so gut und es war sehr beschwerlich. Unterwegs ging es bergauf und bergab und ich bin vielen Menschen begegnet. Ich habe eine Schule gesehen und die Kinder haben sich gefreut eine weiße Touristin zu treffen. Den Tag vorher hatte ich eine Tüte mit Bonbons gekauft, weil ich immer auf Kinder treffe die sich darüber freuen, und das war gut, das ich sie dabei hatte.

Ein Teil der Straße wurde auch gerade geteert und bei der Hitze trugen sie die großen Fässer mit kochendem Teer drin an langen Holzstöcken über den Weg. Weil es so entsetzlich stank, konnte ich keine Fotos machen, sondern habe zugesehen das ich weiterkomme. Man kann mit dem Rad zu den Hot Springs fahren. Das sind heiße Quellen. Leider kostet der Eintritt 20 USD und da ich sowieso schon total naßgeschwitzt war, habe ich sie nicht besucht. Man kann, wenn man von den heißen Quellen weiterfährt, sich vom Ufer des Sees mitsamt seinem Rad rübersetzen lassen auf die andere Seite und dann zurückfahren. Darauf habe ich verzichtet, weil mein Rad wie gesagt Schrott war und ich die „Strassen“ der anderen Seite nicht einschätzen konnte. Aber für jemanden mit gutem Rad sicherlich interessant zu wissen.

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Oben mein Fahrrad. In den Pausen habe ich meine am Tag zuvor gewaschenen Socken getrocknet, denn nachts in der Kälte trocknen sie nicht.

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Weil ich wissen wollte, wie es von oben aussah, bin ich trotz der anstrengenden Radtour noch einige hundert Stufen zu einem Tempel auf dem Weg raufgestiegen. Das Wort „Happy“ war in der obersten Stufe eingemeißelt. Ja, was soll ich sagen? Trotz der Anstrengung fühlte ich mich auch happy 🙂

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Von oben konnte man bis zum See schauen.

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Endlich eine Cola! Weil ich auf schöne und besondere Plätze stehe (wie man an vielen anderen Fotos ja bereits sehen kann), habe ich eine Pause in einem Baumhaus Restaurant gemacht.

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Wenn man zur anderen Seite mit dem Rad aus der Stadt fährt, kommt man noch an einem Markt vorbei…und natürlich an Tempeln…

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