Wo keiner drüber redet…

Reisen mit Behinderung?

Ist das möglich? Sollte man das tun?

Die klare Antwort lautet: JA

Das Leben findet statt. Jeden Tag. Hier und jetzt und nicht irgendwann. Was die Zukunft bringt wissen wir nicht, Geschehenes können wir nicht rückgängig machen.

Als ich vor einigen Jahren nach schwerer Krankheit aufbrach, tat ich es nicht um am Strand zu liegen oder mit der Absicht mal einen coolen Urlaub zu machen. Ich tat es um mein Leben zu retten. Nach einer schweren Enzephalitis, die fälschlicherweise als Multiple Sklerose diagnostiziert und leider eben auch so behandelt wurde, blieben Lähmungen in Arm und Bein zurück. Die Krankheit nahm mir ebenfalls einen Teil des Augenlichts. Nach Aufenthalten in zwei neurologischen Kliniken und Medikamenten, die mich fast umbrachten, wusste ich das es so nicht weitergehen kann. Ich spürte ganz genau das etwas nicht stimmt und so beschloss ich etwas dagegen zu tun. Ich packte meinen Rucksack, lies alles hinter mir, einschließlich aller Tabletten und ging 3 Monate nach Indien. Viele Dinge konnte ich noch nicht oder nicht richtig. Ich lernte Nachsicht zu haben. Mit mir selber.

Und ich traf einen Mann auf den Andamanen der sich nur mühsam auf Krücken fortbewegen konnte. Ein Backpacker. So wie ich. Jeden Tag ging er mühsam mit seinen Krücken an meinem Bungalow vorbei und legte sich mit seinen schmerzenden Knochen ins Meer. Stundenlang. Bewundernswert. Unglaublich. Wieviel Kraft und Mut gehört dazu so eine Reise alleine zu machen, dachte ich.

Dieses Bild lies mich nie wieder los und gab mir unglaublich viel Kraft als ich 2013 schwer mit dem Motorrad im Dschungel offroad verunglückte. Als ich ausgeflogen werden musste und nach mehreren Operationen verkaufte ich als erstes meinen Rucksack und meine Kamera. Ich saß 3 Monate im Rollstuhl und durfte 8 Monate nur liegend verbringen, wobei das einzige Highlight das Dachfenster von gegenüber war, wenn es sich öffnete und schloß. Ich ging lange auf Krücken. Mein rechtes Bein war in der Maschine hängengebliegen und es war so ziemlich alles an Struktur, Gelenken und Knochen zerstört was in so einem Bein ist. Wie sollte ich da jemals wieder reisen können? Mit Rucksack. Alleine.

P1020181So dachte ich. Bis ich immer wieder das Bild von dem Mann auf den Andamanen vor Augen hatte. Ich dachte mir: Das kannst du auch. Selbst mit dem Dr. House-Gehstock der mich noch einige Monate begleitete, würde ich es über irgendeinen Strand in irgendein Meer schaffen. Das geht. Also beschloss ich auch diesmal, nach einer erfolglosen Reha als gehunfähig entlassen, einfach das zu tun was in mir war: Reisen. Ich flog diesmal nach Bali um Gesund zu werden.

Und was soll ich sagen? Ich kann heute wieder laufen und Sport machen. Und Reisen. Natürlich geht einiges nicht mehr was ich noch gern getan hätte, so wollte ich zum Beispiel immer ins Basislager des Everest. Aber ich orientiere mich an dem, was geht. Ich habe mir eine kleine Maschine gebucht und bin am Gipfel des Everest direkt vorbeigeflogen.

Es geht. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, egal welche Behinderung besteht. Man. kann. Reisen.

Das einzige was du brauchst ist MUT und den unbändigen Willen ES zu tun…..los geht`s  🙂

3 Kommentare zu “Wo keiner drüber redet…”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s