Wo keiner drüber redet…

UPDATE Dezember 2018

Und für diejenigen die mich heute, morgen und übermorgen fragen, ob ich „wieder ganz hergestellt“ sei: NEIN. Bin ich nicht. Ich bin ein MÄNGELEXEMPLAR. Und ich finde das ganz ok so. Denn jeder Mangel erinnert mich an diese besondere Zeit in meinem Leben. Das macht MICH aus. Ich mag mich genauso wie ich bin. Nach dem, was mir passiert ist, kann man nie wieder wie neu werden. Ich hätte mein Leben verschenkt, wäre ich nicht erkrankt. Erst danach habe ich wirklich begriffen, gesehen und gelebt. Und mein Leben ist grandios; es ist ein einziges Abenteuer. Ich mache JEDEN einzelnen Tag zu einem Unvergessenen und stecke voller Energie und Begeisterungsfähigkeit 🙂

Und ich lasse diejenigen gerne nach wie vor an meinen gruseligen Geschichten, wie gemetzelt mein Bein „heute immer noch“ aussieht, teilhaben, solltet ihr mich danach fragen und da drauf reduzieren *lach* Da bin ich super drin 🙂

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Das Leben findet statt. Jeden Tag. Hier und jetzt und nicht irgendwann. Was die Zukunft bringt wissen wir nicht, Geschehenes können wir nicht rückgängig machen.

Als ich vor einigen Jahren nach schwerer Krankheit aufbrach, tat ich es nicht um am Strand zu liegen oder mit der Absicht mal einen coolen Urlaub zu machen. Ich tat es um mein Leben zu retten. Nach einer schweren Enzephalitis mit Hirnblutungen, blieben Lähmungen in Arm und Bein zurück. Die Krankheit nahm mir ebenfalls einen Teil des Augenlichts. Ich kämpfte unglaubliche 2 Jahre um wieder laufen und leben zu können. Ich war lange Zeit ein Pflegefall. Bewegungsunfähig verbrachte ich viel Zeit mit mir selber. Glaube mir, ich weiß was es heißt im Leben nicht mehr zu leben. Nach Aufenthalten in zwei neurologischen Kliniken und Medikamenten, die mich fast umbrachten, wusste ich, dass es so nicht weitergehen kann. Ich spürte ganz genau das etwas nicht stimmt und so beschloss ich etwas dagegen zu tun. Ich packte meinen Rucksack, ließ alles hinter mir, einschließlich aller Tabletten und ging 3 Monate nach Indien. Ich erlernte dort eine der ältesten buddhistischen Meditationsformen; diese Erfahrung veränderte mein Leben. Viele Dinge konnte ich noch nicht oder nicht richtig. Ich lernte Nachsicht zu haben. Mit mir selber.

Und ich traf einen Mann auf den Andamanen der sich nur mühsam auf Krücken fortbewegen konnte. Ein Backpacker. So wie ich. Jeden Tag ging er mühsam mit seinen Krücken an meinem Bungalow vorbei und legte sich mit seinen schmerzenden Knochen ins Meer. Stundenlang. Bewundernswert. Unglaublich. Wieviel Kraft und Mut gehört dazu so eine Reise alleine zu machen, dachte ich.

Dieses Bild ließ mich nie wieder los und gab mir unglaublich viel Kraft als ich 2013 schwer mit dem Motorrad im Dschungel offroad verunglückte. Als ich ausgeflogen werden musste und nach mehreren Operationen verkaufte ich als erstes meinen Rucksack und meine Kamera. Ich saß 3 Monate im Rollstuhl und durfte 8 Monate nur liegend verbringen, wobei das einzige Highlight das Dachfenster von gegenüber war, wenn es sich öffnete und schloß. Ich ging lange auf Krücken. Mein rechtes Bein war in der Maschine hängengebliegen und es war so ziemlich alles an Struktur, Gelenken und Knochen zerstört was in so einem Bein ist. Wie sollte ich da jemals wieder reisen können? Mit Rucksack. Alleine.

P1020181So dachte ich. Bis ich immer wieder das Bild von dem Mann auf den Andamanen vor Augen hatte. Ich dachte mir: Das kannst du auch. Selbst mit dem Gehstock, der mich noch einige Monate begleitete, würde ich es über irgendeinen Strand in irgendein Meer schaffen. Das geht. Also beschloss ich auch diesmal, nach einer erfolglosen Reha als gehunfähig entlassen, einfach das zu tun was in mir war: Reisen. Ich flog diesmal nach Bali um gesund zu werden.

Und was soll ich sagen? Ich kann heute wieder laufen, und nein, es ist kein Wunder, sondern es war harte Arbeit! Und Reisen. Natürlich geht einiges nicht mehr was ich noch gern getan hätte, so wollte ich zum Beispiel immer ins Basislager des Everest. Aber ich orientiere mich an dem, was geht. Ich habe mir eine kleine Maschine gebucht und bin am Gipfel des Everest direkt vorbeigeflogen.

Es geht. Ich kann es wirklich nur jedem empfehlen, egal welche Behinderung besteht. Man. kann. Reisen.

Und JA, es ist so wie man sagt: Man bereut tatsächlich nur die Dinge im Leben, die man nicht getan hat. Kein einziges Mal bereute ich den Tag im Dschungel und niemals gab ich die Schuld dem Fahrer, denn ich bin nicht selber gefahren.

Das einzige was du brauchst ist MUT und den unbändigen Willen ES zu tun…..los geht`s  🙂

3 Kommentare zu „Wo keiner drüber redet…“

  1. o nicki!ich bin stolz auf dich!du hast ja so viel erlebt…ich wunsche dir viel glueck und ganz viel Gelaechter ins leben

    VG,
    SAURABH
    deine zurzeitge mieter!

    Liken

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