Von Kuna Yala segeln wir nach Colon, dem Eintrittstor zum Panamakanal. Das Einklarieren ging zügig, nachdem wir herausgefunden hatten wie wir an Land kommen. Denn das ist hier in Colon richtig schwierig. Das Anlegen mit dem Dingi ist überall verboten. Man ist gezwungen in die teure Shelter Bay (ca.60 US für den Kat) zu gehen. Das wollten wir jedoch nicht, da sich der Termin für die Passage durch den Kanal zwei Wochen hinziehen kann. Wir fanden dann eine Möglichkeit im Container Hafen zu ankern und das Dingi im Abwasserkanal anzubinden 🙂 Es war jedes Mal schwierig anzulanden, auch mit den ganzen Einkäufen, die wir noch tätigen mussten. Täglich sind wir eine Woche lang kreuz und quer stundenlang durch die ganze Bucht von Colon motort. Die sogenannten „Flats“, ein ausgewiesenes Ankerfeld seitlich der Einfahrt, gab es nicht mehr. Der Kanal wurde aufgeräumt während wir dort waren und alles wurde umorganisiert. Jeden Tag mussten wir woanders ankern, stellten den Funk ab und kreuzten zweimal täglich verbotenerweise den Kanal. Einmal vergaßen wir den Funk abzustellen und hörten immer: Don`t cross by yourself 🙂 Hmm hatte da jemand was gesagt? Egal. Wir waren mittlerweile routiniert darin uns um die gesunkenen Ruinen herumzumogeln und schnell zwischen zwei riesigen Containerschiffen durchzuschlüpfen.
Colon ist definitiv die hässlichste aller hässlichsten Städte, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Noch immer wird davor gewarnt auf der Straße einfach so rumzulaufen und es wird empfohlen selbst kurze Strecken zum Einkaufen mit dem Taxi zu fahren. Unnötig zu sagen, das wir das natürlich nicht getan haben. Wir haben alles zu Fuß erwandert und waren auch in der Free-Zone shoppen. Ich hatte ehrlich gesagt nie ein schlechtes Gefühl. Durch meine vielen Reisen in der Welt habe ich überall sehr gute Antennen und kann mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen.



Armes, trauriges Colon 😦







Für die Passage braucht man 4 Linehander, 4x 50 Meter Seil und 8 Fender. Da man das alles normalerweise nicht mal eben so hat, nimmt man sich einen Agenten. Unser Agent organisierte alles vom Knast aus, in dem er saß, so ging zumindest das Gerücht um. Gesehen haben wir ihn natürlich auch nie.
Das ganze Prozedere ist eigentlich recht einfach, wenn man weiß wie es funktioniert. Als erstes füllt man ein Formular aus, welches man downloaden kann und schickt dieses per Mail ab. Dann telefoniert man direkt hinterher. Einen Tag später bekommt man einen Vermessungstermin für das Boot. Nachdem der Vermesser dann auf dem Boot war und jede Menge Formulare ausgefüllt hat, kann man eine Telefonnummer anrufen und man bekommt den Passagetermin. Die ganze Fahrt dauert 2 Tage. Jeden Tag kommt ein Lotse an Bord und muss nach genau vorgeschriebenen Plan bekocht und versorgt werden. Es wird darauf hingewiesen, das der Lotse Wasser aus geschlossenen Flaschen braucht und bei schlechter Verpflegung von Bord geht. Die Linehander sind die vollen Tage da und schlafen auch an Bord.

Wir werden im Package fahren und Steuerbord wird eine kleine Einrumpfyacht an uns gebunden und ziehen diese den ersten Tag durch die Schleusen

Dann geht es los Richtung Schleusen







Am ersten und zweiten Tag geht es jeweils durch 3 Schleusen. Dazwischen übernachtet man im Gatun Lake. Hier waren Millionen von Moskitos. Atmen war draußen nur möglich, wenn man sich ein Tuch vor Mund und Nase gebunden hat. Klar, das ich nicht draußen sein konnte mit meiner Stichallergie. Deswegen gibt es leider keine Fotos vom Gatun Lake.







Mein Job: die Leine am Heck und dafür sorgen das die Helfer nicht davon laufen
Am zweiten Tag, direkt nach der letzten Schleuse, kreuzte ein großer Alligator unseren Bug und die Linehander liefen alle nach Backbord. Wir verloren durch die Unachtsamkeit unsere Steuerbord Bugleine.

Leider ist am frühen Morgen des zweiten Tages unser Fäkalientank implodiert (und nein, hiervon gibt es keine Fotos). Ich kann das unglaubliche Ausmaß der Katastrophe nicht schreiben. Das ganze Boot war nicht bewohnbar und wir mussten uns in Panama City ein Hotel suchen.



Wir sind noch ein paar Tage zu den Las Perlas rausgefahren, eine Inselgruppe von über 200 Inseln im Süden des Golfes von Panama.

Delfine begleiten uns bestimmt 2 Stunden lang

Dann können wir schwimmen und faul sein 🙂

Das war nach 4.000 nm unsere letzte gemeinsame Fahrt.
Die Bluyon ist mittlerweile verkauft.
Wir trennen uns in tiefer Verbundenheit und Freundschaft.
Immer werden wir uns an gute und schlechte Zeiten erinnern und daran wie unendlich viel Spaß wir zusammen hatten, wieviel Abenteuer wir zusammen bestanden haben und an das Vertrauen, das wir uns gegenseitig stets entgegenbrachten.
