Archiv der Kategorie: Kambodscha

Abschied vom Otres Beach

…und aus Kambodscha

Hier von Sihanoukville hat man Anschluss in alle Richtungen und kann auch gut nach Vietnam weiterreisen. Direkt am Pier gibt es alle Infos und man kann die Tickets buchen.

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Zum Abschluss hatte ich leider das abscheulichste Hotel der ganzen bisherigen Reise und eins der schlechtesten überhaupt. Wer jemals nach Sihanoukville kommt, sollte keinesfalls im Laluna „absteigen“. Absteigen trifft es schon ganz gut. Bei Einbruch der Dunkelheit lebt und krabbelt das ganze Zimmer, dazu noch Party an der Bar bis morgens um 6 Uhr. Nach zwei schlaflosen Nächten, entschloss ich mich zurück an den Otres Beach für die letzte Nacht zu gehen und habe einen Moonflower Bungalow gebucht. Hier war es sehr schön und sauber.

Als ich dann zum Strand ging, parkte direkt an der Beachroad dieses Mobil:

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Ein deutsches Ehepaar, beide über 70 leben seit Jahren in dem Mobil und bereisen die ganze Welt. Was für ein Glück und Geschenk so etwas zusammen erleben zu dürfen.

Am nächsten Tage ging es für 15 USD von Sihanoukville zurück nach Phnom Penh (nein es gab keine frittierten Froschbeine diesmal). Da ich die kleinen Schlafkapseln so liebe, habe ich das bisher günstigste Hotel aller meiner Reisen gebucht: 5 USD

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Super sauber, mit frischer Bettwäsche und Handtuch ausgestattet. Perfekt für eine Nacht. Den Taxifahrer für die Fahrt zum Flughafen habe ich für 5 Uhr morgens schon vorbestellt.

Kambodscha war wirklich schön und man sollte das gar nicht so glauben, was man viel im Netz liest, das es so vermüllt ist. Ich fand das überhaupt gar nicht. In Thailand und Vietnam sieht es viel schlimmer aus und es stinkt auch viel mehr. In Kambodscha kriegen die es zumindest mit dem Abwassersystem hin und man muss nicht wie in Thailand die Luft anhalten wenn man über Gitter auf der Strasse läuft. Kambodscha tut viel für den Tourismus vom Gouverment aus. Alles ist gerade am Expandieren dort und es werden viele schöne neue Strände erschlossen und verschönert. Aber es ist sehr teuer dort. Die Kambodschaner haben viel Nachholbedarf an materiellen Dingen und gar kein Verhältnis zum Geld. Oder Vorstellungen von Relationen. Viele können gar nicht Lesen und Schreiben und so besteht nicht wirklich eine Ahnung vom nachhaltigen Aufbau und es zählt nur der schnelle Dollar.

 

 

 

 

 

 

Angkor Wat

Die Tempelanlagen sind ca. 7 km von Siem Reap entfernt und über ein großes Gebiet verteilt. Man braucht auf jeden Fall mehrere Tage um sich die Tempel anzuschauen. Im Prinzip wird nach kleiner und großer Runde unterteilt und Touren kann man in jedem Hotel oder auch in den Agencys um die Ecke buchen. Verhandelt man direkt auf der Straße mit den Tuktukfahrern kann man noch den einen oder anderen Dollar sparen und die Route etwas indivudualisieren.

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Ich bin am ersten Abend auf den Bakheng Hügel zum Sonnenuntergang gestiegen und habe dann dann den nächsten Tag die große Runde (inkl. Banteay Srey) gemacht, aber schon mit Ta Prohm und den Sonnenuntergang zum Schluss von  Pre Rup. Bezahlt habe ich 20 USD an den Fahrer. Das Ticket kostet 20 USD für einen Tag und 40 USD für 3 Tage. Getränke gibt es überall bei den Tempeln für 1 USD zu kaufen. Die billigsten Preise für Kleidung und Seidenschals von Siam Reap sind hier bei den Tempeln. Ein Seidenschal (100% Silk) 1 USD, die bunten Hosen 1 USD, Baumwollblusen 3 USD. Diese Preise sind erst nach Verhandlung beim Weggehen so entstanden, zuerst waren sie dreimal so hoch. Aber in der Stadt läßt sich niemand so weit runterhandeln.

Angkor besteht aus vielen einzelnen hinduistischen sowie buddhistischen Tempelanlagen, die über ein riesiges Gebiet verteilt liegen. Man kann auch mit dem Fahrrad die Runden abfahren, wenn man bei der Hitze und nach den Kilometern noch Kraft hat, die Tempel anzuschauen 😉 Ich hatte nach zwei Tagen so starken Muskelkater in den Beinen, das ich kaum die Bordsteine rauf und runter laufen konnte abends in der Stadt. Die Sonne brennt runter und es ist fürchterlich heiss bei den Tempeln. Schön ist es, wenn man ein Handtuch mitnimmt und sich einfach in den Schatten vor die Tempel setzen kann und dann eine halbe Stunde Pause machen kann. Ein Tipp noch für das Wiederfinden der Tuktukfahrer: vorher genau definieren an welchem Tor man jetzt ist und an welchem man sich wiedertrifft. Ich habe einige Zeit bei 40 Grad damit zugebracht meinen Fahrer wiederzufinden, der Spaß hört dann auf, wenn man die komplette Anlage erst vom Nordtor zum Südtor durchquert um festzustellen das es zwar ähnlich aussieht aber nicht genauso und dann alles wieder in der Sonne zurücklaufen muss.

Für den Bakheng Hügel etwas mehr Zeit einplanen, weil man eine gute halbe Stunde für den Aufstieg braucht und oben die Besucher gezählt werden, die die schmalen Treppen dann noch zum ganz oberen Tempel raufsteigen dürfen, da oben nicht so viel Platz ist und nichts abgesichert ist. Man hat einen schönen Ausblick, sieht aber nicht viel mehr als Wasser und Dschungel.

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Wer hat schon mal Palmjuice getrunken? Der Saft wird aus den Palmenfrüchten frisch gepresst. Für mich das ekeligste, was ich jemals probiert habe. Der Geschmack ist ungefähr so, wie roher Schinken riecht.

 

 

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auf dem Bakheng Hill

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Ta Som

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Der Urwald holt sich alles wieder

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Mein Tuktukfahrer, den ich immer in der Hitze gesucht habe, weil er am anderen Tor gewartet hat

Die Würgefeigen haben alles fest im Griff

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Ta Prohm

 

 

 

 

Ein traumatisiertes Land…

Die roten Khmer –

Genozid der 70er…

 

In den 80er Jahren hat mich der Film „The Killing Fields – Schreiendes Land“ tief beeindruckt und nie wieder losgelassen. Seitdem wollte ich immer mehr über dieses Land erfahren, in dem so viel Grauenhaftes passiert ist und ungefähr 3 Mio. Menschen den Tod unter der Herrschaft des Diktators Pol Pot fanden. Als Deutscher mit der Erbschande der Judenverfolgung aufgewachsen, wurde man in der Schule ausschließlich eben damit konfrontiert, während ganze Völkermorde überall auf der Welt passiert sind und noch passieren. Ich frage mich schon seit langem, was der Unterschied ist? Wohl niemand käme auf die Idee, die heutige Generation der armen kambodschanischen Bevölkerung mit Verfolgung und Mord in Verbindung zu bringen. Als Deutscher darf ich heute noch nicht meine Meinung frei sagen und reise ich als Deutscher durch die Welt, fällt den Menschen, egal auf welchem Kontinent als erstes Hitler ein. In Indien hat mich doch tatsächlich jemand gefragt ob ich ihn persönlich kennen würde.

Pol Pot, der in Frankreich studierte und Mao Zedong verehrte, war von der Idee besessen einen kommunistischen Bauernstaat zu gründen und somit das Stadt-Land-Problem und das Armutsgefälle zu lösen. Im Untergrund im Dschungel fing er schon in den 60er Jahren damit an Guerillakrieger um sich zu scharen und dann in den 70er Jahren wurden immer mehr von der Landbevölkerung rekrutiert mit dem Versprechen, einen Arbeitspaltz und Essen zu bekommen. Schließlich fiel er im April 1975 in Phnom Penh ein. Unter Jubel eines Großteils der Bevölkerung, die vom Vietnamkrieg noch geschwächt unter Bürgerkrieg und Hunger litt und sich von dem neuen Kommunismus Essen und Arbeit versprach.

Tatsächlich aber wurde in nur 3 Tagen die komplette Stadt evakuiert unter Androhung von Todesstrafe. Jeder, der gegen das Regime war, wurde sofort eingesperrt oder erschossen. Alle Menschen mit Bildung waren auf einmal Regimegegner, Brillenträger wurden gleich verhaftet. Alle Studierten, Lehrer und Nicht-Landarbeiter wurden weggeschafft, Familien auseinandergerissen und und über das Land verteilt.

Es gab über 300 Killing Fields. Aus den Menschen im demokratischen Kambodscha wurden Zwangsarbeiter. Unter unmenschlich harten Bedingungen mussten sie auf den Feldern arbeiten, bis zum Umfallen. Aus grossen Lautsprechern ertönte kommunistische Musik zur Motivation und um die Schmerzensschreie der Sterbenden zu übertönen. Die Killing Fields waren Lager aus denen Massengräber wurden. Aus Gefängnissen wurden bereits halb tot gefolterte dorthin transportiert um sie zu entsorgen. Und das auf möglichst billige Art und Weise. Weil die Munition teuer war, wurden viele auf grausame andere Arten getötet: Männern wurde an den scharfen Kanten der Palmen die Kehle durchschnitten, sie wurden mit Knüppeln und Äxten erschlagen, Babys und Kinder wurden mit Köpfen so lange an den Baum geschlagen bis der Tod eintrat. An dem Baum klebten noch als man das Massengrab gefunden hatte, Hirnmasse, Haare und Knochensplitter.

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Die Menschen wurden zu den Fields transportiert mit dem Versprechen eine Hütte, Essen und Arbeit zu bekommen. Die Wirklichkeit sah dann anders aus. Noch heute kommen bei Regenfällen immer wieder Knochen und Kleidungsstücke aus der Erde raus. In der Gedenkstätte sind 7 Etagen nur mit Schädeln an denen unterschiedlich farbige Punkte kleben, die den jeweiligen Todesursachen zugeordnet sind.

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Es ist eine sehr bedrückende Atmosphäre dort und es ist unbedingt empfehlenswert den Audio Guide für 3 USD zu nehmen und sich einen schattigen Platz zu suchen um sich in Ruhe die Erklärungen anzuhören. Es ist furchtbar, das so etwas geschehen konnte und das Pol Pot unter Hausarrest stehend noch bis 1998 sein Leben normal weiterleben konnte, während die Menschen in dem Land viele Jahrzehnte brauchen werden, um sich von dem zu erholen, was Ihnen angetan wurde.

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PRISON 21

Eine ehemalige Schule wurde zum Folterzentrum und Gefängnis umfunktioniert. 14.000 bis 20.000 Menschen starben hier. Jeder, der verdächtig war, wurde hergebracht um unter Folter ein Geständnis zu erzwingen. Nach wochenlanger Folter haben die Meisten alles gestanden was sie niemals begangen hatten, aber sagen mussten und auch ihre Angehörigen alle verraten. Jeder Insasse wurde genau fotografiert, nummeriert und es wurde eine Akte angelegt in der die Maßnahmen standen.

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In den ehemaligen Klassenzimmern waren Einzel- oder Mehrbettzimmer hergerichtet, in denen unvorstellbare Dinge passierten, unter anderem auch Operationen um die anatomischen Kenntnisse zu vervollständigen. Elektroschocks, Daumenschrauben, das Aufhängen und in Wasserbottiche tauchen und vieles mehr. Wer die Folter überlebte wurde in die Killing Fields gebracht und dort hingerichtet. Die Leichen wurden mit DDT übersprüht um dem Gestank vorzubeugen.

Prison 21 haben nur 7 Menschen nachweislich überlebt. Im Museum wird die Lebensgeschichte des Überlebenden Chum Mey erzählt, er überlebte weil er Maschinen reparieren konnte. Ich habe ihn tatsächlich persönlich dort getroffen, im Garten unten verkauft er seine Bücher und beantwortet Fragen.

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Das ist der Galgen wo die Menschen aufgehängt und mit dem Kopf dann in die Wasserbottiche getaucht wurden

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