Kathmandu

Kathmandu ist die größte Stadt Nepals und hat eine starke Bebauungsdichte, was es bei Erdbeben besonders gefährlich macht. Die Häuser sind schmal und hoch und sehr dicht aneinandergebaut.

Die beste Reisezeit für Kahtmandu kann man aufgrund der Wetterveränderungen nicht mehr so genau bestimmen, so grob aufgeteilt gilt aber, das man von Februar bis April und September bis Anfang Dezember gute Zeiten haben kann. Dezember und Januar können empfindlich kalt werden und die Hotels haben oft keine Heizungen. Von Mai bis Juli kommt es oft zu starken Regenfällen und die Straßen rutschen ab.

Auf jeden Fall sehenswert sind die vielen Tempelanlagen. Hier kann man sich günstig einen Fahrer für den Tag nehmen und sich bequem herumfahren lassen. Meistens sprechen sie etwas Englisch und erklären auch gerne etwas zu der Stadt und den Tempeln.

In Pashupatinath sind die Verbrennungsstätten. Die Toten werden nach hinduistischem Glauben direkt am heiligen Fluss Bagmati verbrannt. Es sind überall frische Feuer oder Rauchschwaden von gerade erloschenen Verbrennungen und manchmal stinkt es ekelig nach verbranntem Fleisch und Tod und es schauen ein paar nicht verbrannte Körperteile heraus.  Als ich dort war, ist gerade ein Toter aus den VAE eingeflogen worden. Er kam im Holzsarg und wurde aus dem Sarg herausgeholt und in seinen Leichentüchern ans Ufer „geschoben“. Dort wuschen ihm seine Söhne die Füße im Fluss. Anschließend wurde er auf den Steinen in Anwesenheit vieler Angehöriger verbrannt. Unten im Fluss sind dann die Goldsucher, die die Asche unten im Flussbett, unterhalb der Verbrennungsstätten, nach Wertgegenständen durchsuchen.

Thamel ist das Viertel wo sich Backpacker treffen und wo sich viele Geschäfte aneinander reihen für die Trekkingausrüstung. Hier bekommt man alles was man für eine längere Tour ins Himalayagebirge braucht. Kleidung, Zelte, Rucksäcke, Schlafsäcke, aber auch wunderbare Kaschmirschals und andere Dinge, die für Nepal typisch sind. Die Qualiäten sind unterschiedlich und man sollte gut vergleichen. Im Prinzip gilt: you get what you pay. Mann kann also davon ausgehen, das ein Kashmirschal für 1000 Rupies nicht einfach nur günstiger ist sondern nicht die gleiche Qualität aufweist wie der nebenan für 3000.

Die Gassen in Thamel sind klein und eng und man kann sich schnell verlaufen, besonders wenn man bei Tageslicht losgegangen ist und um acht Uhr abends die Geschäfte die Rollläden runterlassen und damit das Straßenbild im Dunkeln komplett anders aussieht.

In Thamel gibt es gute und günstige Hotels, meistens mit schönen Dachterrassen. Das Frühstück ist gut und oft im Zimmerpreis mit inbegriffen  und man hat einen herrlichen Blick von oben auf die Stadt. Im Hotel oder in den vielen Agencys kann die Weiterreise organisiert werden.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten von Kathmandu weiterzureisen. Zum Beispiel in die Nationalparks, oder verschiedene Trekkingrunden im Himalaya, Trekking zu abgelegenen Bergdörfern, man kann auch nach Tibet weiterreisen (eine Reise kann auch direkt vor Ort organisiert werden mit allen Permits, man braucht es zu Hause gar nicht vorbereiten) oder nach Indien. In Nepal gibt es viele Möglichkeiten für die unterschiedlichsten Reisen von Kultur bis Trekking.

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Der importierte Tote wurde in seinen Leichentüchern herausgeholt und gewaschen
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Die Goldsucher

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Hongkong/Singapur/Kuala Lumpur

Alle drei Städte sind prima für einen Zwischenstopp geeignet.

Mir persönlich hat Hongkong am besten gefallen. Hongkong hat alles: große Malls, teure Geschäfte, Märkte, eine tolle Skyline, schöne Strände und eine wunderschöne Landschaft.
In Hongkong habe ich eine Woche verbracht, ohne mich zu langweilen und ich würde sehr gerne noch mal hin. Singapur hat mir auch sehr gut gefallen, es ist sehr sauber und es gibt viel zu sehen. Dort kann man auch prima mit den open Air Bussen den ganzen Tag rumfahren. Kuala Lumpur konnte mich nicht so begeistern im Vergleich mit den anderen beiden Städten.

HONGKONG

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Singapur

 

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Kuala Lumpur

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Dubai

Dubai ist perfekt für einen Zwischenstopp auf Fernflügen. Man kann eine Tour mit dem Red Bus machen und an den interessanten Stationen einfach aussteigen. Auch eine Fahrt auf dem Dubai Creek mit einer Dau ist im Preis mit inbegriffen. Ich fand die Shopping Malls ganz toll und die Stadt ist super sauber, aber sehr teuer. Wenn man in einem der Luxus Hotels seinen Urlaub verbringen kann, und genügend Geld mitbringt, kann man es sicherlich auch eine Woche aushalten, ich war aber froh, nach 2 Tagen weiterreisen zu können, da Dubai mein Budget arg strapaziert hat 😉

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Andamanen

…that`s Paradise 🙂

Die Andamanen liegen zwar näher zu Myanmar und Thailand, gehören aber zu Indien.

Man kann von Chennai oder Kalkutta nach Port Blair fliegen und von dort mit dem Schiff weiter auf die zugelassenen Inseln. Es sind nicht alle Inseln freigegeben und für die Andamanen braucht man einen speziellen Visumeintrag von der Botschaft. Bei Einreise muss man sich von der örtlichen Polizei registrieren lassen und das Permit vorzeigen. Die traumhaften Inseln sind ideal um einfach mal nichts anderes zu tun als in der Hängematte unter Palmen zu schaukeln. Das Meer ist schön warm und türkis, die Strände weiß und sauber. Im Wasser sollte man acht geben auf giftige Seeschlangen und Salzwasserkrokodile.

Auf der Hauptinsel Smith Island kann man die alten Gefängnisse der ehemaligen Strafkolonien besichtigen. Das sind wirklich gruselige Stätten. Man sieht die dicken Balken wo die Gefangenen gehängt wurden. Die Engländer hatten im 19. Jahrhundert Langzeit-Sträflinge auf die Inseln ausgegliedert. Im zweiten Weltkrieg waren die Andamanen von den Japanern besetzt, davon wurden auch noch Tausende in Gefängnisse gesteckt oder zur Zwangsarbeit verpflichtet.

Auf den Andamanen und Nikobaren leben noch wenige hundert Ureinwohner, welche die Zivilisation komplett ablehnen und sehr feindlich sind. Man kann und darf nicht auf diese Inseln. Aber einige sind freigegeben und wunderschön. Viel machen kann man dort nicht und wenn man eine Pause während der Reise braucht, ist das genau der richtige Platz. Es gibt hier übrigens die größten Kröten, die ich jemals gesehen habe. Bei Regen kommen Schlangen und Riesenkröten aus dem Dschungel raus und ich habe eine Kröte gesehen, die so groß war das sie eine Ratte gefessen hat.

Man sollte auf Havelock Island 2 Dinge auf jeden Fall haben: Bargeld und das Rückfahrticket. Mit beiden Dingen hatte ich enorme Probleme. Es gab zwei Geldautomaten, von denen einer komplett kaputt war und der andere erst Stromausfall hatte und dann leer war. Die Jagd nach dem Rückfahrtticket gleicht einem Kampf auf dem Jahrmarkt und manchmal fahren die Schiffe auch nicht bei schlechtem Wetter.

In Port Blair kann ich das ethnologische Museum sehr empfehlen, das war super interessant. Auf Havelock Island würde ich ein Fahrrad empfehlen, damit ist man sehr flexibel.

Ich hatte den letzten Bus leider verpasst und musste noch vom Westen zurück auf die andere Seite. Das hieß viele Kilometer laufen oder mit dem Israeli auf dem Motorrad fahren, der mir freundlich lächelnd den Platz hinten anbot. Leider war unterwegs der Tank leer und wir blieben mitten im Nirgendwo liegen. Da mir der Typ eh ständig an die Wäsche wollte, bin ich lieber in den Dschungel um Menschen und Sprit zu suchen und hatte irgendwo eine Hütte gefunden. Eine Verständigung war nicht möglich aber als ich die Situation theatermäßig nachspielte, verstand der Mann was ich wollte und gab mir eine leere Flasche. Meine Güte, dachte ich, was soll ich damit nun wieder? Aber mir wurde klar, das ich vermutlich nie das Glück haben würde beides auf einmal zu finden: eine Flasche UND jemanden der Sprit hat. Also nahm ich die Flasche und machte mich auf die Suche nach weiteren Einwohnern. Irgendwann kamen Kinder auf dem Rad, welches ich mir kurz ausleihen konnte und dann hatte es auch mit dem Sprit geklappt.

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von oben aus dem Flugzeug fotografiert

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meine kleine Hütte im Dschungel

Der Inselbus von Havelock Island fährt wenige Male am Tag über die einzige Straße

Hier fühlen sich die Salzwasserkrokodile wohl

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Beach No 7

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Der richtige Platz für meine Hängematte

 

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Die einzige Hauptstraße, auf der ich mangels Sprit mit dem Motorrad liegen geblieben bin, es gab keine Tankstelle und auch keine Geschäfte, nur Dschungel. Da musste ich weit laufen bis ich auf eine Hütte traf
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Backpacker`s Life 🙂

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Eine Hängematte kann man überall festmachen, ich habe jeden Tag einen neuen Platz gefunden 🙂

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Mexiko 2012

Von Playa del Carmen nach Punta Allen

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Als ich einen Flug nach Cancun buchte, hatte ich noch nicht so die konkrete Vorstellung was ich die drei Wochen in Mexiko genau machen wollte. Der Flug war mit 259 Euro Return von Basel so unglaublich günstig, das ich einfach buchte und einen Tag später meinen Rucksack packte.

Am 21.12.12 sollte nach dem Maya Kalender der Weltuntergang sein und die menschliche Zivilisastion enden, das wollte ich mir direkt vor Ort anschauen :-). Im Zug lernte ich dann Bastian kennen, der Freunde in Playa del Carmen hat und auch auswandern wollte. Er machte mir das Angebot in der Villa seiner Freunde mit zu wohnen und mir einen Jeep von ihnen zu leihen um damit runter nach Punta Allen in das Naturschutzgebiet zu fahren. Dafür konnte ich mich direkt begeistern. Wir hatten ein paar tolle Tage in der Villa mit Pool und abends in den Bars mit jede Menge Margerithas und Caipis…dann ging es los. Die Strecke ist gut ausgeschildert und in Punta Allen gab es laut Plan nicht so viele Sandpisten, so das man sich kaum verfahren konnte. Navi gab es nämlich nicht. Ich habe unterwegs überall angehalten wo es mir gefallen hat und verschiedene Maya Stätten besucht oder an wunderschönen Stränden in kleinen Hütten übernachtet. Die Route ist gut in drei Wochen zu machen und es bleibt ausreichend Zeit um die Tempelanlagen anzuschauen.

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mit dem Boot in die Mangroven

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Hampi

Hampi, ehemals die Hauptstadt des Königsreiches Vijayanagar, liegt am Fluss Tungabhadra und etwa 6 Stunden von Goa entfernt im Landesinneren. Hier kann man sich gut 2-3 Tage aufhalten und wirklich schöne Touren in die Umgebung machen. Es gibt zahlreiche gut erhaltene Tempel, die man in 1-2 Tagestouren mit einem Fahrer erkunden kann (Tagespreis ca. 1200 Rs)

Vor vier Jahren war ich das erste Mal in Hampi und ich war ganz entsetzt, was ich diesmal nun vorfand. Der halbe Ort ist abgerissen worden, Hotels, Restaurants, Geschäfte, Wohnhäuser. Zurückgeblieben ist nur noch ein winzig kleiner Ortskern neben dem Haupttempel. Wenige, nicht gute Hotels und um acht Uhr abends heißt es „Licht aus“. Es heißt die Auflagen der Unesco hätten gefordert, das der Ortskern wieder in den Ursprung zurückgesetzt wird. Die Menschen mussten ihre Häuser verlassen und alles wurde abgerissen. Es gibt auch das Mango Tree Restaurant (beliebter Backpacker Treff) nicht mehr, wo man auf den abfallenden Terrassen unter dem riesigen Mangobaum sitzen konnte und den wunderbaren Ausblick auf den Fluss genießen konnte.

Dafür ist das Zentrum in Hampi Island etwas gewachsen. Man kann sich mit der kleinen Motorfähre für 10 Rupien rüberfahren lassen. Vom Busbahnhof ist es nicht weit zum Ufer, das Stück kann man gut zu Fuss gehen. Übrigens kostet eine Fahrt von Hospet nach Hampi zwischen 200 und 300 Rupien. Aber es fahren auch Busse direkt vom Bahnhof Hospet, ich glaube wir haben 8 Rupien gezahlt.

In Hampi Island gibt es viele schöne Hotels und Restaurants. Die Hängematten zwischen den Bäumen, die Chillout Ecken in den Restaurants und die kleinen Hütten lassen das Backpackerfeeling von früher aufkommen.
Für 200 Rupien kann man sich völlig problemlos ein Motorbike ausleihen. Ein Pass muss nicht hinterlegt werden. Das ist in Indien viel einfacher als in Thailand oder den Philippinen. Mit dem Motorbike kann man übers Land fahren, kleine Dörfer besuchen, an den Fluss zum Baden fahren oder zum großen See.

Anreise: mit dem Zug oder dem Bus von Goa in ca. 6 Stunden

Abreise: mit dem Zug nach Bangalore, von dort ist ein Weiterflug nach Südindien sehr günstig (20-30 Euro)

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Der Virupaksha Tempel im Zentrum

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Die kleine Motorfähre verkehrt zwischen beiden Ufern

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Der Tempelelefant wird jeden Morgen gebadet

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…auf dem Weg zurück zum Haupttempel

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Fahrt übers Land zum See

 

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On the road again…

 

 

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Über Wasserfälle und Steine zum Schwimmen

 

 

Krokodile? Wir haben keine  gesehen.

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5 Jahre Airbnb – Der Wahnsinn klingelt nachts

Vor einigen Jahren entdeckte ich durch eine Werbung die Möglichkeit auf einer Internetplattform ein freies Zimmer anzubieten und somit Menschen, die sich auf der Durchreise befinden, eine Unterkunft zu bieten. Meine Wohnung ist mit vier Zimmern sowieso zu groß für mich allein und ich habe eigentlich gerne Gäste, also warum nicht einen Versuch starten, dachte ich mir. Couchsurfen gegen Bezahlung. Man lernt nette Menschen kennen und schließt neue Kontakte. Bis zu dem Zeitpunkt ahnte ich noch nichts von den Dingen, zu denen Menschen aus unterschiedlicher Motivation fähig sind. Und sie taten schlimme Dinge. So ziemlich alles was man sich lieber nicht vorstellen möchte. Nach nunmehr fünf Jahren ist meine Wohnung komplett renovierungsbedürftig und mein Wunsch nach Gästen vermutlich lebenslang erloschen.

Wohl jeder findet es sonderbar, fremde Menschen im Bad anzutreffen, sich nicht mehr frei in der eigenen Wohnung bewegen zu können und nur wenige sind enthusiastisch und positiv denkend genug, um genau das zuzulassen. Ich habe lange darüber nachgedacht und wollte es dennoch versuchen. Was sollte schon groß passieren? Die Leute müssen sich auf dem Portal mit einem Ausweis verifizieren und Airbnb hat mit einer Versicherung zur Schadensregulierung geworben. Das diese nur ganz begrenzt, und ab einer gewissen Summe und unter schwierigen Nachweisen greift, steht in dem „Ganzkleingedruckten“.

Gegen Langeweile helfen Gäste…

Ich richtete ein Gästezimmer ein und meine persönlichen Sachen entfernte ich. Kaufte neue Bettwäsche und Handtücher, Zudecken, Tisch, Stuhl und einen bequemen Sessel. Das Zimmer war fertig und wartete auf den ersten Gast. Dieser buchte auch recht bald und kam aus London. Beim ersten Gast war ich noch ziemlich aufgeregt und wollte alles perfekt machen. Das Bett frisch bezogen, die Wohnung blitzblank, auf dem Nachtschrank ein netter Willkommensgruß aus Schokolade mit Informationsmaterial über die Stadt. Als ich die Tür öffnete staunte ich nicht schlecht als ich zwei junge Inder vor meiner Tür sah. Die beiden teilten sich 3 Tage lang ein Bett und waren äußerst nette und ordentliche Gäste.

Nun wurde ich mutiger und vermietete gleich einen ganzen Monat an eine junge Schauspielerin, die ganze vier Wochen an allem rummeckerte, die Straße zu laut, das Zimmer zu klein, die Gegend zu dunkel, kein Fahrrad welches für sie bereitstand, keine Kuchengabeln vorhanden. Sie ging jeden Abend feiern und kam erst nachts nach Hause. Da sie dann erst Mittags aufstand, konnte ich meinen Mixer für mein Frühstück nicht anwerfen, nicht Staubsaugen, nicht Wäsche waschen. Ich war froh als die Zeit zu Ende war. Im Kühlschrank blieb noch ein großer Topf ihrer Cortisonsalbe zurück, welche sie permanent gegen ihren eitrigen Ausschlag benötigte.

Und das Chaos nahm seinen Lauf

Der Schauspielerin folgte eine junge Dame aus Venezuela, die mir meinen Schmuck aus den Schubladen stahl. Da ich dieses erst nach der Abreise bemerkte und nichts beweisen konnte, gab es keinen Schadensersatz – das „Ganzkleingedruckte“ in den AGB zahlt dann nämlich nicht.

Es kamen auch nette Menschen, die kurzzeitig da waren und so richtete ich das zweite Zimmer ebenfalls als Gästezimmer ein. Ich ahnte damals nicht, dass ich ab diesem Zeitpunkt so gut wie keine ruhige Minute und nachts auch oft keinen Schlaf finden würde.

Brandgefährlich

Eines Nachts wollte ich ins Bad und kam an der Küche vorbei. Die war gerade kurz davor abzubrennen. Durch die fürchterliche Rauchentwicklung konnte ich die Ursache nicht sofort sehen. Eine Pizza brannte im Ofen und hatte Feuer gefangen. Der Gast war längst eingeschlafen.

Als nächstes schmorte die Platine meiner Abzugshaube durch, abends wurde noch was gekocht und der Gast hatte vergessen sie auszuschalten. So blieb sie solange an, bis sie durchbrannte. Einmal kam ich morgens in meine Küche und wunderte mich warum es so warm war….der Motor des Kühlschranks war kurz vorm Brennen, da die Tür die ganze Nacht über offen war.

Warum ich nicht hier bereits Schluss mit dem ganzen Chaos machte? Ich war zielorientiert und sparte für meine nächste Weltreise. Auch wenn ich Tag und Nacht im Einsatz war und mich in meinen eigenen vier Wänden als Hostelbesucher fühlte, war es für mich die einzige Möglichkeit damals reisen zu können.

Nette Begegnungen

Es gab auch sehr schöne und bereichernde Begegnungen. Gäste, die sich wirklich als Gäste benahmen. Das war eher die Ausnahme aber umso schöner und auch ermutigend dafür, weiterzumachen.

Ich lernte Binu aus Bangalore kennen, dem ich in einigen Dingen weiterhelfen konnte. Das machte mich sehr glücklich. Wir kochten zusammen und hatten nette Gespräche. Er schenkte mir indische Gewürze. Auch  heute haben wir noch guten Kontakt. Und ich lernte Flo kennen, der bei Airbus seine Abschlussarbeit schrieb und nebenher ehrenamtlich Öfen in Afrika baut. Als ich nach meinem schweren Unfall mein Bein in einer Motorschiene hatte, setzte sich mein Gast, eine Koreanerin, den ganzen Abend neben mich. Wir konnten uns kaum unterhalten, aber sie streichelte mein Bein und sagte immer wieder: everything will be fine. Es gab auch lustige Kochabende oder im Winter bis spät nachts Glühweinabende. Aber leider waren das die absoluten Ausnahmen.

Schlafen? Nur was für Weicheier…

An Schlaf war oft gar nicht zu denken. Nachts reisten Leute an und wieder ab, fanden den Weg nicht, nahmen den falschen Zug, versprachen um 6 Uhr zu kommen und kamen nachts um 2 Uhr, telefonierten die ganze Nacht wegen der Zeitverschiebung zum anderen Kontinent, brauchten ganz dringend 100 Seiten um 23 Uhr ausgedruckt, Fernbusbuchungen mussten noch eben ganz schnell  über meine Kreditkarte gebucht werden, weil die ausländischen Karten nicht gingen und die Fahrt schon am nächsten Tag war,  Gäste skypten jede Nacht in voller Lautstärke mit mehreren Arbeitskollegen wegen einem Job im Ausland…die Liste ist endlos lang…

Wohnungstod

Ein Holländer, der ebenfalls einen Monat gebucht hatte, war ganze 4 Wochen auf seinem Stuhl angewachsen und verließ so gut wie niemals das Zimmer. Es war Januar und da er unter starken Schweißausbrüchen litt, machte er die Heizung im Zimmer erst gar nicht an. Durch die Kälte und die immer geschlossene Tür, bildete sich Schimmel an den Fensterseiten, der sich zügig, breitflächig und unaufhaltsam weiter vorwärts arbeitete. Das Zimmer war nach Ablauf der Mietzeit total verschimmelt und ich musste es grundrenovieren.

Das Laminat weichte in dem einen Zimmer auf, weil das Fenster bei Regen nicht geschlossen wurde. Die Lampen wurden nicht ausgeschaltet bei Abwesenheit, die Heizungen liefen auf fünf bei geschlossener Tür, so das es 30 Grad im Raum hatte, und ich dachte ich laufe vor eine Wand bei Betreten des Raumes. Meine Nebenkosten schossen explosionsartig in die Höhe. Schon längst hatte ich es mir zur Angewohnheit gemacht, jeden Gast auf Schritt und Tritt zu beobachten, so das nicht noch mehr Schäden entstehen…aber es kam alles noch schlimmer.

Ekelige Dinge

Es waren männliche Gäste da, deren Spuren an der Wand des Bettes klebten. Gäste, die wirklich unwirkliche 25 Minuten mit vielen Geräuschen in meinem Bad duschten, die morgens um vier vor meinem Bett standen und kuscheln wollten, die nachts meine Lebensmittel gegessen haben, so das mir nichts anderes übrigblieb als mein Schlafzimmer in ein Lebensmittellager umzuwandeln.

Schon lange konnte ich nicht mehr schlafen wenn ich müde war, essen wenn ich hungrig war (einige  besetzten endlose Stunden meine Küche und machten mit dem Laptop Kochkurse), andere wollten Kuchen backen für die neuen Arbeitskollegen und meine Backbleche und Formen verschwanden entweder oder waren soweit eingebrannt, das man sie nur noch entsorgen konnte. In meiner Wohnung stank es nahezu zu jeder Tageszeit und je nach Nationalität nach Zwiebeln, Knoblauch, Eiern und Gebratenem. Nicht nur einmal bin ich morgens auf dem Weg zum Bad auf altem Ei ausgerutscht.

Tür- und Torwächter

Meine Haustür stand nächtelang komplett offen, weil der Gast erst Mitternacht heimkam und die Tür nicht ordnungsgemäß geschlossen hat. Also blieb ich jedes Mal solange wach, bis alle im Bett waren und ich sicher sein konnte das diesmal nichts abbrennt und auch alle Türen geschlossen sind. Schon lange gab es zu diesem Zeitpunkt Hausregeln, die jeder Gast zu Beginn unterschreiben musste. Völlig nutzlos.

Manche Gäste kamen schon krank an und lagen tagelang im Bett und blockierten und verschmutzten dementsprechend das Bad. Sagrotan wurde mein bester Freund und ich musste ein Klobürsten-Abo buchen. Meine Abflüsse waren ständig verstopft. Mit Fett und Essensresten in der Küche, mit Haaren im Waschbecken und in der Dusche. Intimrasuren wurden im Flur oder Bad durchgeführt und einfach so belassen, Zehnägelreste verteilten sich überall und klebten unter den Füßen auf dem Weg zur Küche.

Die Erlösung – Schluss mit dem Wahnsinn

Als der Chinese dann mit samt meinem Vorhang und der kompletten Jalousie in der Dusche ausrutschte, mit dem Kopf auf die Fensterbank schlug und der Rumäne ziemlich zeitgleich das Eckventil in der Küche abgerissen hatte, so das alles unter Wasser stand, war der Punkt für mich erreicht, aufzuhören.

Aufzuhören mit dem Wahnsinn, der mich seit nunmehr 5 Jahren begleitete. Mir so viele Reisen ermöglicht und mir gleichzeitig das Leben zur Hölle gemacht hat. Fünf Jahre in denen ich Rücksicht auf alles und jeden genommen habe, meinen Tagesrythmus wochenweise ständig umstellen musste auf Nachtschichten oder Tagschichten, in denen ich über dreckige Wäsche drüber gestiegen bin, Krankenschwester gespielt habe, Beziehungsberater war, Deutschlehrer und Fremdenführer. Fünf Jahre, in denen ich nicht nur unglaubliche Geschichten gehört habe, sondern sie auch erlebt habe.

Mein Frieden ist nicht mehr käuflich.

Er hat keinen Preis mehr.

©by shivayacondios

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